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Ein Grefrather Traum - Von der Theke zum Major

Der Jägermajor Eberhard Krüppel über:
Frauen im Jägerkorps,
die "Altjäger" ohne Blumenhörner und
wie zwei Jäger einen Scheibenschützen warben...

Hallo Eberhard, vielen Dank erst mal dafür, dass du ein wenig Zeit gefunden hast, um uns einige sensationelle Enthüllungen über das Grefrather Schützenwesen zu machen. Wir sind gespannt.

Wir fangen natürlich erst mal mit den Personalien an. Namen, Alter und Beruf.

Ich heiße Eberhard Krüppel, bin jetzt mittlerweile 33 Jahre alt und von Beruf Diplom-Braumeister bei der Vulkan-Brauerei in Mendig am Laacher See.
Ist ne kleine Hausbrauerei in der Eifel.
Das Bier werdet ihr spätestens bei der Hochzeit kennenlernen.

Damit haben wir ja die Frage nach deinem Lieblingsbier schon geklärt.
Wir haben uns schon lange gefragt, wo der Unterschied zwischen ober- und untergärigem Bier liegt.
Könntest du uns das vielleicht KURZ erklären?

Ich hatte mal die Ehre bei News 89.4 eingeladen zu werden, und da mußte ich das auch schon mal erklären. Also es handelt sich da um das unterschiedliche Gärverhalten der Bierhefen. Die eine setzt sich während der Gärung am Boden des Gefäßes ab und die andere steigt nach oben...
(Anm. d. Red.: Da Ebi das in aller Breite erklärt hat und wir euch das nicht vorenthalten möchten, haben wir dieser Antwort eine eigene Bierseite gewidmet!)

Um mal so langsam den Übergang vom persönlichen zum Schützenwesen zu bekommen, eine persönliche Frage zum Schützenwesen:
Wie heißt eigentlich dein Pferd?

Mein Pferd letztes Jahr hieß Gräfin. Wie es dieses Jahr heißen wird, weiß ich noch nicht, weil wir die Pferde erst am 11. Mai bestellen.
Es stehen drei, vier Pferde zur Verfügung, die jedes Wochenende auf Schützenfesten sind. Der Michael wird wahrscheinlich wie im letzten Jahr wieder einen Dachs bekommen, weil das ein stabileres Pferd ist.

Habt ihr richtig reiten lernen müssen oder hat man euch nur beigebracht, euch oben auf dem Pferd zu halten?

Also wir wollten richtig reiten lernen. Natürlich ohne Galopp und Springen, einfach nur einen Grundkurs, um eine gute Figur auf dem Pferd zu machen und schon mal ein Gefühl für die Tiere zu bekommen.

Hast du dir im Vorfeld zu deiner Kandidatur mal überlegt, ob dir das Risiko nicht zu groß ist, auf einem Pferd zu sitzen oder hast du versucht den Jägervorstand zu überzeugen, die Pferde abzuschaffen?

Da ich als Kind schon mal ein bißchen reiten gelernt hatte und ich auch gesehen habe, wer die Jahre vorher schon so alles auf nem Klepper gesessen hat und immer noch drauf sitzt, habe ich mir gedacht, das bekommst du auch noch hin.
Aber das Schwierigste ist einfach das Oben-drauf-sitzen. Denn du bekommst davon am Anfang solche O-Beine und du gehst nach dem ersten Mal wie John Wayne aus der Reithalle raus.
Am Anfang klappte es nichtmal, nach dem Reiten die Beine und die Füße zusammenzudrücken. Das kann man sich vielleicht nicht vorstellen, ist aber wirklich so. Mittlerweile haben sich die Sehnen und Bänder aber dran gewöhnt.

Wie kam das denn jetzt, daß du Major geworden bist?
Bist du an die Bruderschaft herangetreten und hast gesagt, ich will jetzt Major werden oder wie ist das entstanden?

Entstanden ist die Schose mal vor Jahren Pfingsten an der Theke, als ich mit Reinhold Steins gesagt habe, wenn der Karli mal aufhört, dann kandidieren wir beide.
Beide Väter waren ja auch mal Major gewesen und dann hat es bei Reinhold aber beruflich nicht geklappt. 1997 sind E. Beyer und ich als Gegen-Kandidaten zu K. Hamacher vorgeschlagen worden.
Ich habe aber gesagt, ich kandidiere nicht, weil das eine Schnapsidee ist. Aber danach kam jeder an und meinte, hättest du doch ja gesagt, ich hätte dich gewählt.
Und zu diesen beiden Dingen kam noch, daß Karli an dem Pfingstmontag in dem Jahr vor seinem Ausscheiden bei der Abnahme an mir vorbeiritt und auf mich und dann auf sein Pferd zeigte. Die Leute neben mir haben sich totgelacht und mir auf die Schulter geklopft.
Das war schon der erste Hinweis von Karli, daß er demnächst ausscheiden würde.
Und als es dann soweit war, habe ich einfach meinen Hut in den Ring geworfen.

Bist du denn dann auch mit dem Vorsatz, etwas anders oder besser zu machen als der alte Major an dieses Amt gegangen oder war es jetzt tatsächlich eher eine Thekenidee?

Also im Ursprung ist es wirklich eine Thekenidee gewesen. Im Laufe der Zeit habe ich aber festgestellt, daß ich sehr viele repräsentative Tätigkeiten übernehmen muß und auch besser machen werde.
Z.B. führt der Jägermajor die Chargiertenversammlung, was bisher nicht in der Form praktiziert wurde. Im Hinblick auf meine 14-jährige Amtszeit als Oberleutnant in meinem Zug habe ich gesagt, ob ich da jetzt eine Versammlung mit 10 oder mit 100 Leuten leite, macht kaum einen Unterschied. In Bezug auf Schützenfest hat Karli Michael und mir gute Tipps gegeben.
Ich werde wieder mehr die repräsentativen Aufgaben rausstellen, also nach dem Motto "wir haben einen Major" auch das Jahr über, nicht nur einen, der Pfingsten auf dem Pferd sitzt und wenn der dann mal den König hochleben lassen will, vom Präsidenten im Vorbeigehen gesagt bekommt "Lot et sin, dat Päd kann dat besser als Du!"
Durch die neue Mannschaft, die wir jetzt im Jägerkorps haben, haben wir auch die Aufgaben etwas neu verteilt. Ich kümmere mich um die Mitgliederverwaltung und die elektronische Erfassung, weg vom Papierkram.
Der letzte aktuelle Stand der Mitgliederliste war von 1995 und da liegt einfach Handlungsbedarf, um die Geschäftsführung zu entlasten, die den ganzen Schriftkram vorher in ihrer Hand hatten.
(Anm. d. Red.: In diesem Augenblick betritt der Vater des Majors den Raum und überbringt die Botschaft, dass Michael Schumacher in Spanien gewonnen hat und Häkkinen in der letzten Runde als Führender ausgeschieden war!)

Was sind denn noch so Aufgaben des Majors?

Primär ist das organisatorischer Kram, wie das Leiten der Chargiertenversammlungen, alle zwei Monate sind Vorstandsversammlungen, das Aufstellen des Marschplanes mit Festlegen der Zugreihenfolge und Positionierung der Blumenhörner, das Jägerfest vorbereiten.
Wir überlegen jetzt auch wieder, unsere Homepage aufleben zu lassen. Wir wurden bei unserem letzten Provider rausgeschmissen, weil nur Privatpersonen zugelassen waren und wir haben jetzt eine neue e-mail-Adresse. jaegerkrops@web.de.
Bisher hat sich darum der Frank Müller gekümmert, doch der hat im Moment nicht die Zeit dafür. (Anm.d.Red.: Dass das ne verdammt zeitintensive Angelegenheit ist, können wir bestätigen!)

Denkst du, dass du ein bisschen Schwung in den Laden bringen kannst, weil du ja ein verhältnismäßig junger Major bist?

Wir sind ja im Jägervorstand insgesamt eine recht junge Truppe auch mit neuen Ideen und es dauert natürlich auch ein bisschen, bis diese Ideen umgesetzt sind.
Im ersten Jahr hab ich erst mal gesehen, wie der Laden so läuft und geschaut, dass ich oben auf dem Pferd sitzen bleibe und nicht runterfalle. Dieses Jahr bin ich schon mal drangegangen, ein paar Sachen zu verbessern, also wo kommen die Blumenhörner hin, wie sieht das besser aus und was kann man auf Dauer ändern? Z.B. nimmt seit letztem Jahr der Jägerkönig die Front mit ab und alle Korpskönige können die Parade von der Bühne miterleben und das ist eine tolle Sache wenn 500 Mann an dir vorbeimarschieren.

Wie steht denn dein Zug zu deinem neuem Amt? Bist du deinem Zug verloren gegangen? Bist du noch Oberleutnat?

Nene, das funktioniert ja nicht mehr.
Mein Zug meinte auch schon spaßeshalber: "Wir schauen, dass wir bei der Zugauslosung ganz hinten sind, dann kannst du nach deiner Parade schnell zurücklaufen und bei uns vorneweg gehen." Ich hab mir dann mal dezent an die Stirn gefasst.
Ich bin auf den ganzen Veranstaltungen noch dabei, das Einzige was halt verlorengeht, ist, du kannst bei den ganzen Antreten nicht dabei sein. Begeistert war mein Zug nicht, weil auch schon unser alter Spieß Detlef Beutner als neuer Edelknabenführer nicht mehr in der Reihe mitläuft.
Der Zug schrumpft natürlich und zwei wichtige Positionen mussten neu besetzt werden.

Jetzt kommen wir zu den Streitthemen in Grefrath!
Ein ganz spannendes Thema sind natürlich die Blumenhörner der Jägerzüge. Was hältst du davon, dass man in Grefrath jetzt drüber nachdenkt, Jägerzüge ohne Blumenhörner ziehen zu lassen?

Die Frage ist halt: "Wo machst du den Schnitt? Wem erlaubst du es und wem nicht?"
Nachher sagt jeder Zug, die hunderte von Marken können wir uns auch sparen, dann machen wir auch kein Blumenhorn mehr.
Wir sind halt das Jägerkorps. Wir sind das Korps mit den Blumenhörnern, genauso wie in Neuss auch bestimmte Korps ein Blumenhorn tragen. Und wer im Jägerkorps sein will, muss dann als Konsequenz auch ein Blumenhorn tragen, wenn er kein Jungjäger ist.
Die Abwanderung der älteren Schützen zu den Grenadieren - wie früher - gibt es halt im Moment nicht mehr und dadurch bekommen wir zusätzlich auch ältere Züge. Dann müssen wir auch überlegen, was wir mit den älteren Zügen machen.
Weiter sehe ich auch, dass viele Züge schon keinen festen Höhness mehr haben und sich die Arbeit aufteilen. Jeder Zug sollte auch mal selber darüber nachdenken, ob er sich die Arbeit nicht besser aufteilen kann.
Züge, die kein Blumenhorn mehr wollen, können sich natürlich auch bei einem anderen Zug als zweite Reihe anschließen. Dann kann man sich das Blumenhorn teilen. Zum Beispiel machen Freiwild und Gröne Jonge dieses Jahr eine Zuggemeinschaft, weil sie je nur noch sechs Mann haben.
Zu diesem Thema wird es nach der Sommerpause mal eine Zugführerversammlung geben. Auf der werden dann mal einige grundlegende Sachen geklärt. Wir reden dann auch über Finanzen u.ä. Hier kann man vielleicht mal im kleinen Kreis besprechen, was es für Möglichkeiten gibt.
Denkbar wäre auch, "Alt-Jäger" einzuführen. Allerdings darf das alles nicht zu bunt werden.
Neue Korps sind da natürlich auch keine Bereicherung, da damit keine neuen Leute in die Bruderschaft kommen. Daher wäre auch die Schützengilde keine wirkliche Bereicherung, da die Mitglieder schon in der Bruderschaft waren. Das wäre nur eine Abspaltung vom Jägerkorps. Das war bei den Scheibenschützen z.B. anders, da die Leute komplett neu in die Bruderschaft eingetreten sind.
Das Problem mit den Blumenhörnern sehe ich schon, vor allem für alte Züge. Vor Jahren gab es auch mal einen Zug, der hatte künstliche Blumen, um über die Jahre Kosten zu sparen.
Das wurde dann auch diskutiert und verboten, weil es einheitlich aussehen soll.
In Neuss wird es auch praktiziert, dass man sich Blumenhornträger beschafft, die dann für etwas Geld die ganze Zeit das Blumenhorn tragen, aber abends im Zelt nicht mir am Tisch sitzen dürfen. Das ist sicher auch keine Lösung. Wir müssen dann auch mal darüber reden, ob man den Anreiz für Blumenhörner bei den Zügen hebt.
Das wird sicher im Herbst mal diskutiert werden.

Das Jägerkorps hat ja jetzt Gott sei Dank keine Nachwuchsprobleme. Das ist ja nicht in allen Korps so.
Beim Reiterkorps hat man aus diesem Grund ja auch Frauen aufgenommen. Was hältst du denn von Frauen in der Bruderschaft?

Im Jägerkorps kann ich es mir nicht vorstellen.
Bei den Reitern kann ich das schon nachvollziehen, weil die aus gesundheitlichen Gründen nicht genügend Leute haben, die auf dem Pferd sitzen konnten.
Frauen in der Bruderschaft - Ich kenne bis jetzt auch noch keine, die tatsächlich in die Bruderschaft eintreten wollte. Meine eigene sicher auch nicht. Die sagt dann: "Bist du bekloppt? Lass die Dollen mal über die Straße rennen, ich schaue mir das lieber von außen an."
Da wir noch nicht die Nachwuchssorgen haben, gibt es im Moment noch keine Notwendigkeit, darüber im Jägerkorps nachzudenken.
Im Schießsport sieht man auch auf Bezirksveranstaltungen der Bruderschaften öfter mal Frauen, die daran teilnehmen. Die sind dann zwar kein aktives Mitglied der Bruderschaft aber sind in der Schießsportabteilung der Bruderschaft. Damit hätte ich keine Probleme. Wer weiß was in dreizig Jahren ist ...

Weshalb sollte denn ein junger Mensch beschließen, am Schützenwesen teilzunehmen?

Einmal fängt in Grefrath ja die Versorgung mit Schützenfest im Kindergarten an. Da gibt es ja den Kindergartenumzug. Danach kommen die Kinder dann in die Edelknaben und dann geht es so weiter.
Daher können wir in vielen Bereichen auch noch nicht klagen, was den Nachwuchs angeht. Das ist in Grefrath wirklich gut geregelt.
Ein sechzehnjähriger, der noch kein Schütze ist, kommt vielleicht über seine Kumpels an das Schützenwesen, Fußballverein oder Schule.
Es geht ja im Schützenverein auch nicht darum, nur zu saufen. Beim Festkartenverkauf hat mir mal jemand gesagt: "So eine Saufbande unterstützen wir nicht!"
Klar, gemütliches Beisammensein, nur Männer dabei, irgendwann steht halt eine Flasche Bier auf dem Tisch und es bleibt dann nicht bei der ersten...
Aber das ist ja nun nicht so typisch, saufen kann ich auch aus anderen Gründen. Dieses Mitmachen an den vier Tagen Schützen und auch das Treffen über das Jahr hinweg, Karneval zum Beispiel. Beim Fußball macht man außerhalb des Platzes sicher weniger. Da ist die Zuggemeinschaft doch vielfältiger. Da passt dieser Werbespruch "Ein starke Gemeinschaft" wirklich ganz gut.
Aber am besten sollte es natürlich so laufen, wenn die Kinder schon durch Kindergartenzug und Edelknaben auf den Geschmack kommen. Gerade bei den vielen neu hinzugezogenen sollten wir aber auch ganz aktive werben, damit sie in einen Schützenverein eintreten.
Beim Festkartenverkauf hatte ich da mal ein nettes Erlebnis, als ich mit Christoph Welter einem Neu-Grefrather an der Tür Festkarten verkaufte, der erst zwar etwas skeptisch war, sich aber dann doch entschloss, eine Festkarte für die Pfingsttage zu kaufen. "Guck ich mir mal an", meinte er. Dann hat er sich das so gut angeguckt, dass er im nächsten Jahr bei den Scheibenschützen mitgelaufen ist.

Was ist für DICH das besondere an Schützenfest, was dich vielleicht auch bewogen hat, Oberleutnant und später Major zu werden?

Es ist schwer in Worte zu fassen. Es ist mehr das Kribbeln die Tage vorher, diese Vorfreude.
Es ist schon mehr dieses Gefühl, Schützenfest zu feiern. Wo andere vielleicht sagen "sind die bescheuert, Stechschritt, weiße Hose, hechelst dir die Zunge aus dem Hals, um jedesmal noch gerade pünktlich zum Antreten zu kommen..."
Es ist schon lustig, dass man dann doch jedesmal am Mittwoch morgen beim König in der Residenz feststellt, dass man am 28. Bier rumkaut und froh ist, dass es dann doch vorbei ist.
Im Letzten Jahr war ich auch nach dem Grefrather Schützenfest noch bei einigen anderen Schützenfesten und -veranstaltungen. Und irgendwann habe ich dann auch nur noch gedacht: "äeäeäh - ´s reicht".
Für mich ist es nichts, noch bei einem zweiten Schützenfest mitzugehen. Ich bin in Grefrath dabei und hier engagiere ich mich dann auch so, dass ich kein zweites Schützenfest in Neuss oder in Holzheim brauche.
Dafür ist mir die Sache dann zu wichtig, ich mache ja nicht nur mit um mal eben mitzurennen.
Beim Major kommt natürlich dazu, dass man das ganze Jahr vorbereitet. Und man sieht dann Schützenfest, dass alles glatt läuft, alles sieht gut aus. Das ist dann schon schön.
Als ich letzes Jahr dann vorneweg gegangen bin und 200 Mann hinter mir herliefen, war das schon ein tolles Gefühl. Auch bei der Frontabnahme haben mich dann alle angesehen: "Aha, neuer Major, neuer Adjutant. Mal schauen wie sie aussehen.

Eberhard,
vielen Dank, für dieses offene, entblößende und sensationelle Interview.
Wir wünschen dir im Schützenwesen und auch in deiner zukünftigen Ehe viel Erfolg!

Das Interview führten Richard Westerhaus und Markus Zucker.

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